Reisebericht

Reise ins Reich der Chachapoyas

Teil 1

Als ich erfuhr, dass ich mich an der Gruppe beteiligen konnte, die Carlos Conzález von der Corporación Turística Amazónica zusammenstellte, um auf dem Landwege in den nordöstlichen Teil Perus zu reisen, bestürmten mich die verschiedensten Gedanken angesichts der Möglichkeit, diese überwältigenden Landschaften selbst zu durchfahren, sie zu fotografieren und im Gedächtnis festzuhalten.

Es war wirklich ergreifend. Es war nicht wichtig, wie viele Tage erforderlich waren, weil man Winkel unseres Landes kennenlernen konnte, von denen man noch nie gehört hatte oder höchstens einmal in Fotos oder einem Dokumentarfilm gesehen hat.

Die Gruppe bestannt aus peruanischen Journalisten von Panamericana Televisión und Radioprogramas del Perú (RPP), zwei Journalisten der Zeitschrift Geomundo (México) und mir, für «Peru-Spiegel / Espejo del Perú» schreibend.

Unsere Reise dauerte 8 Tage voller Abenteuer. Wir lernten phantastische Ortschaften und Menschen, sowie unglaubliche Landschaften kennen.

 

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Marañón
Marañón-Tal
Marañón 
Brücke über den Marañón 
 

Erster Tag: von Lima nach Huanchaco


Um drei Uhr nachmittags verließen wir Lima in zwei stolzen Land Rover (für alle Gelände geeignet) Richtung Huanchaco, Trujillo, über die Panamericana Norte. Die Straße ist vollständig geteert und in gutem Zustand. Es dunkelte schon, auf der einen Seite hörte man das Rauschen des Meers und auf der anderen Seite spürten wir die typische Stille der Küstenwüste. Ein unverwechselbarer Duft kündigte uns die Nähe Chimbotes an. Wir durchquerten es und weiter ging es Richtung Trujillo, das uns dann in voller Beleuchtung empfing. Wir konnten eine Stadt mit etwas kolonialem Einfluss in der Architektur wahrnehmen, die im Gegensatz zu anderen modernen und sehr bescheidenen Gebäuden steht.

Wir begeben uns nach Huanchaco, dem bekannten Strand in der Nähe von Trujillo, wo wir etwa um 11 Uhr nachts ankommen. Frau Elvira vom Hostal Caballito de Totora erwartet uns schon mit einem leckeren Fischgericht.

 

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Huanchaco
«Caballitos de Totora»
in Huanchaco

Zweiter Tag: von Huanchaco nach Cajamarca


Am frühen Morgen des nächsten Tages spazierten wir etwas am Strand und unterhielten uns mit einigen Fischern über die berühmten Caballitos de totora. Sie erzählten uns, dass sie etwa zwei Stunden benötigen, um eines zu erarbeiten und dass sie es fast eineinhalb Monate benutzen. Es wird aus Totora gebaut und kann bis vier Meter lang sein. Üblicherweise fahren die Fischer um 5:30 h in der Frühe zum Fischen hinaus. Wenn es viele Fische gibt fischen sie am Tage bis zu drei Mal.

Um 11 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg und fahren zunächst auf der Panamericana Norte weiter. Nächstes Ziel ist Cajamarca.

Auf der ganzen Strecke durchfahren wir viele Dörfer, einige große und andere wieder ganz klein. Einige möchte ich erwähnen, um unsere Fahrtrute etwas aufzuzeigen. Um den Kilometer 617 treffen wir das malerische Dorf Paiján. Kurz nach Pacasmayo, etwa am Kilometer 686 der Panamericana Norte, biegen wir in die Abzweigung ein, die nach Cajamarca führt. Nach etwa 37 Kilometern fahren wir am Stausee Gallito Ciego entlang, der Wasser zum Bewässern staut, um mehr Ackerland für die Landwirtschaft zu gewinnen. Die Straße verläuft eine Zeit lang am Rande des von Bergen umgebenen Sees.

Nur wenige Kilometer weiter einige Häuserblocks auf beiden Seiten der Straße, das kleine Dorf Tembladera. Noch weiter, etwa am Kilometer 100, fahren wir in das etwas größere Dorf Chilete ein. Da gibt es einen Dorfplatz und Geschäfte, wo man sich etwas zum Essen und Trinken kaufen kann und dann die Fahrt fortzusetzen. Im Guadalupe, Kilometer 114, wird Schnaps und Honig angeboten.

Langsam ändert sich alles am Wege: das Klima ist jetzt kalt und trocken, die Bewohner und ihre Kleidung (reiten auf Esel und sind mit farbigen Röcken und Hüten bekleidet), die Landschaft (wir sehen jetzt hohe Berge, gewundene Flüsse und Abhänge).

Am Kilometer 142 durchqueren wir auf einer Höhe von 2330 m die Ortschaft San Juan, und weiter gehts aufwärts... Etwa am Kilometer 150 (15:00 h) erwartet uns dichter Nebel mit leichtem Nieselregen. Wir müssen sogar das Licht anmachen, um sehen zu können.

Die Straße nach Cajamarca ist geteert, mit einigen guten Abschnitten und anderen, die es nicht gerade sind, aber nichts, was für Geländewagen in denen wir reisen (Land Rover Freelander, Discovery y Defender) ein Problem wäre.

Am Kilometer 165 erklimmen wir die Passhöhe: 3190 m. Jetzt geht es abwärts. Bevor wir in die Stadt einfahren sehen wir an beiden Straßenseiten typische kunsthandwerkliche Arbeiten ausgestellt.

Endlich in Cajamarca auf 2700 m Höhe, Wiege der Pre-Inka-Kultur Caxamarca. Später wurde diese Stadt in das Reich des Tahuantinsuyo eingegliedert. Eine der bekanntesten Spuren der Vergangenheit ist die Lösegeldkammer, wo der Inka Atahualpa eingesperrt war und dieser Pizarro anbot, den Raum als Preis für seine Freiheit mit Gold zu füllen.

Die Sonne empfing uns mit ihrem glänzendsten Schein. Es war Sonntag und vielerorts im Gebirge konnten wir beobachten wie die Männlein nach einer «langen Nacht» durch die Straßen schwankten.

Am Eingang der Stadt befindet sich das Kunsthandwerkszentrum Cerámica Rayito de los Andes, wo Teller, Töpfe, Gefäße und sonstige typische Kunsthandwerksgegenstände angeboten werden.

Wir besichtigten die Kirchen Recoleta, San Francsico, Santa Catalina (die Kathedrale) und den Hauptplatz. Anschließend begaben wir uns nach Huambocancha in Richtung Porcón. Beide Stellen sind für ihr steinernes Kunsthandwerk bekannt. Für feine und kleine Gegenstände benutzen sie eine Art Marmor und für große Gegenstände wie Brunnenfiguren oder Sitzbänke bevorzugen sie Granit.

In der Nacht tummeln wir erneut über den Hauptplatz, wir speisen und trinken einen erfrischenden «Emoliente». Eines der typischen Gerichte ist Rinderhirn. Ich probierte es mit etwas gemischten Gefühlen, muß aber gestehen, dass es keineswegs schlecht war. Es schmeckt nach Omelett und ich würde es wieder mal essen ... wenn ich nach hierher zurückkommen würde...

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Cajamarca
Kirche Recoleta in Cajamarca

Kunsthandwerk in Cajamarca
Kunsthandwork in Cajamarca

Celendin
«Sombrerito de Celendín»

Fahrt nach Celendin
Celendín

Marañón

Das Marañóntal 


Dritter Tag: von Cajamarca nach Chillo


Um 6:30 morgens fuhren wir vom Hotel Sierra Calana (am Hauptplatz) ab in Richtung Baños del Inca, das für sein bereits in der Vor-Inka-Zeit benutztes Heilwasser bekannt ist. Zur Zeit der Ankunft der Spanier wurde es von Inka Atahualpa als Badeort benutzt. In den elf Becken hat das Wasser eine Temperatur von 78 °C, was natürlich niemanden zum Baden einlädt. Zum Baden gibt es Einzel- oder Doppelzimmer, in dem die Wassertempertur geregelt werden kann. Auch Duschen und Schwimmbecken fehlen nicht.

Machen wir einen kurzen Halt im Hotel Laguna Seca, das in jedem Zimmer ein eigenes Thermalbad hat. Wir führen unseren Weg auf der Straße fort die nach Encañada (30 km), Celendín (107 km) und Chachapoyas (240 km) führt. Nach Cajamarca ist die Straße nicht mehr geteert. Man benötigt deshalb ein geeignetes Auto, am besten ein 4×4 (die Land Rover, in denen wir reisen, sind ideal).

Bis auf eine Höhe von 3400 m geht es aufwärts und danach wieder bergab. In einer Höhe von 2600 m liegt Celendín. Hier werden die berühmten Strohhüte mit dem aus Rioja gebrachten Stroh hergestellt. Die Ortsstraßen sind geteert. Wir lernten die Kirche und den Hauptplatz kennen wo uns zwei Kinder (Nixon y Freddy) das Lied Canción del Sombrerito widmeten.

Die Einwohner sind sehr freundlich und fröhlich. 12:50: Abfahrt aus Celendín. Wieder geht es aufwärts bis wir am Kilometer 120 eine Höhe von 3050 m erreichen. Nach einer dieser unzähligen Kurven liegt plötzlich das beeindruckende Tal des Marañón, einer der wichtigsten Zuflüsse des Amazonas, vor uns. Aus dieser Höhe ist der Marañón nicht mehr als eine schlangenförmige braune Linea.

Kaum fahren wir abwärts so verbessert sich sofort das Wetter. Wir können uns der Jacken entledigen und den strahlenden Sonnenschein und die wunderbare Landschaft genießen.

Auf der Brücke Chacanto, in einer Höhe von 950 m überqueren wir den Marañón und kommen dann nach Balsas, kaufen einige Früchte ein (Bananen, Kokusnüsse und Erdnüsse) und dann geht es wieder weiter (15:15 h).

An der Brücke Chacanto verlassen wir die Region Cajamarca und es beginnt die Region Amazonas, das Reich der Chachapoyas.

Nach Balsas steigt die Straße steil an. Auf 3400 m kommen wir wieder in eine kältere Zone, zwischen Nebelbänken kommen auch mal die Sonnenstrahlen durch, es regnet leicht und wir können einen Regenbogen bewundern. Unverhofft sehen wir uns einem Falken gegenüber, der gerade zum Flug abhebt. Kontakte wie diese mit der Natur lassen zumindest für eine Weile die Routine unseres täglichen Lebens vergessen, genug um wieder neue Energien zu laden.

Wir kommen zum höchsten Punkt unserer Reise, 3550 m, und beginnen die Abfahrt nach Leimebamba. Hier in Leimebamba wird am 11. Juni das Museum der Mumien eröffnet. Die Mumien gehören zur Kultur Chachapoyas und wurden vom See Laguna de los Cóndores hierher gebracht.

19:10 h: Ankunft in Leimebamba, 2200 m Höhe. Leider war es schon Nacht. So blieben wir nur eine kleine Weile, um etwas an der Ecke des Dorfplatzes zu essen und weiter geht es nach Chillo, wo wir übernachten wollten.

Der Utcubamba begleitet uns am Rande der Straße bis wir um 21:30 die Estancia de Chillo (1750 m) erreichen. Die Estancia befindet sich inmitten der Natur des hochgelegenen Urwaldes. Eine abgeschiedene Welt, wo das Licht zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeschalten wird und sich das Konzert der Insekten vernehmen lässt.

Es war ein langer Tag und wir waren sehr müde, aber es hatte sich gelohnt.

Claudia Dopf

Aus «Peru-Spiegel / Espejo del Perú», N° 51, Juni 2000, Seiten 15-19
Fotos: Claudia Dopf und Carlos González

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