Reisebericht

Reise ins Reich der Chachapoyas

Teil 2

Vierter Tag: von Chillo nach Kuelap und Chachapoyas


Der glänzende Schein der Sonne weckte uns auf. Nach einem leckeren Frühstück mit Orangensaft und dem typischen Brot der Gegend verließen wir um 9:30 Uhr die Estancia Chillo.

Wir folgten der Straße am Ufer des Utcubamba, die uns unserem Ziel, der Festung Kuelap, entgegenbringt. Wir überqueren linker Hand die Steinbrücke und erreichen den Bezirk Tingo, der zur Provinz Luya gehört. Alle Ausländer müssen sich hier bei der Polizeistation am Rande der Straße einschreiben. Die erste Abzweigung an der linken Seite ist der 36 km lange Weg, der uns in etwa eineinhalb Stunden zur Festung der Chachapoyas bringt. Auf einer anderen Route kann man auch in etwa drei Stunden zu Fuß dorthin kommen.

Wir durchqueren das Dorf Nuevo Tingo, das erbaut wurde nachdem das Dorf Tingo vor Jahren durch eine Überschwemmung zerstört wurde. In einer Höhe von 2650 m trafen wir Choctamal Lodge, die einzige ersichtliche Herberge am Wege nach Kuelap.

In einer Höhe von 2900 m erreichen wir den Parkplatz La Malca, wo wir die Land Rover stehen lassen und den restlichen Weg in etwa 20 Minuten zu Fuß zurücklegen. Es ist ratsam einen Regenschutz mitzunehmen, weil der Regen jederzeit unverhofft niederprasseln kann. Auch wir wurden mehrmals vom Regen überrascht.

Schon etwas vom Laufen erschöpft und unter der dünnen Luft leitend erreichen wir die beeindruckende Festung der Chachapoyas, Kuelap, die uns die Strapazen vergessen lässt. Zuerst erblicken wir eine sehr hohe, perfekt gebaute Mauer. Einige Meter weiter finden wir noch größere Überraschungen. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass diese Festung in ihrer Zeit sehr wichtig gewesen war.

Die Sachapuyos oder Chachapoyas waren ein kriegerisches Volk und Kuelap war Regierungs- und Militärsitz. Die Sachapuyos bewohnten den ganzen Landesteil Amazonas und die Region des Gran Pajatén. Die Inkas lebten nicht in diesen Gegenden. In die Festung der Chachapoyas konnten sie nicht mit Gewalt eindringen. Die ganze Nahrung und das Wasser wurden aus nahegelegenen Orten hergebracht. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch in die Festung einzudringen erkannten die Inkas, dass es auf Grund der großen Schutzmaßnahmen praktisch unmöglich war, mit Gewalt einzudringen. Sie ließen sich Hunderte von Metern vor den Mauern nieder, schnitten die Verbindung ab und ließen keine Nahrung und Wasser in die Festung hinein. Da sie nicht ohne Verpflegung überleben konnten, gaben sich die Chachapoyas geschlagen.

Die Festung Kuelap wurde im Jahre 1843 von dem Richter Chrisóstomo Nieto entdeckt. Danach wurde sie von verschiedenen Forschern wie Bandeleir im Jahre 1893 und Pader Kieffer im Jahre 1910 besucht. Mit den örtlichen Kalkstein-Felsen wurde sie strategisch errichtet. Die Kalksteine enthalten Versteinerungen und einen hohen Anteil an Glimmer. Für die Verzierungen wurde auch Schiefer verwendet. 420 runde Gebäuden stehen nur fünf rechteckige gegenüber. Sie wurden von etwa 3000 Personen bewohnt und obwohl sich die Bewohner hauptsächlich militärischen Aufgaben widmeten, gab es auch Bauern, Viehzüchter und Handwerker.

Der Haupteingang ist trapezförmig, hat eine Länge von 56 m, ist 14 m hoch und führt zum zentralen und südlichen Teil der Festung. Dieser Eingang ist so eng, dass nur eine Person Platz hat. Innerhalb der Festung befinden sich zu beiden Seiten des Haupteingangs zwei Wachposten mit zwei Türen. Kam ein Feind zur einen Türe herein, verließ der Wächter die Behausung durch die zweite Türe, um Alarm zu schlagen. Jetzt ist der Haupteingang zwegs Erhaltung geschlossen. Der Eingang für Besucher ist durch den zweiten Eingang, der sich ebenfalls im Ostteil befindet. Im Westen gibt es außerdem einen dritten Eingang, der die Flucht ermöglichte, wenn sie sich in einer Schlacht unterlegen fühlten.

Einige der Häuser haben Friese mit Verzierungen, die Jaguare, Katzenaugen, Schlangenaugen und Kondoraugen symbolisieren. Das «Tintenfass» (Tintero) ist eine andere wichtige Konstruktion der Festung. Wahrscheinlich diente es zum Darbringen von Opfern. Bei den Ausgrabungen wurden u.a. Tier-, Katzen- und Llamaknochen gefunden. Es ist ein umgedrehter Kegelstumpf mit Eingang von oben.

Nur etwa 2% der Festung sind rekonstruiert. Der gesamte Rest befindet sich ohne irgendwelche Veränderungen im natürlichen Zustand, deshalb hat man nicht sehr viele Kenntnisse über die Lebensgewohnheiten der Chachapoyas. Um mehr und genauere Informationen zu besitzen sind weitere Forschungen erforderlich. Alles was wir über diese Kultur hören und sagen sind nur Mutmaßungen, auch wenn sie uns den Geheimnissen unserer Vorfahren näherbringen.

So war unser Besuch der großartigen Festung der Chachapoyas. Im gesamten Verlauf, sowohl nach Kuelap als auch nach Chachapoyas verbesserte sich die Straße nicht. Die Straße ist nicht geteert und der Regen verwandelt die Straße teilweise in Schlamm, was die Reise noch aufregender gestaltet.

Wir essen eine Kleinigkeit, kaufen bei Anaximandro Valdez (bekannter Kunsthandwerker, der Nachahmungen der Sarkophage der Mumien des Kondorsees und andere kunsthandwerkliche Gegenstände aus Keramik und Holz herstellt) typisches Kunsthandwerk und fahren in Richtung Chachapoyas weiter.

Chachapoyas, als «Stadt der Balkone» bekannt, lässt durch die Balkone und die mit Ziegeln bedachten Häusern mit ihren von Gärten umschlungenen großen Innenhöfen den überwiegenden spanischen Einfluss erkennen. Die Gebäude aus der Kolonialzeit werden durch Bestrebungen des Bürgermeisters Leonardo Rojas und der Unterstützung spanischer Organisationen ständig restauriert und in gutem Zustand gehalten und schmücken so die liebenswürdige Stadt. Zu besuchen und zu bestaunen sind der Hauptplatz (Plaza de Armas), der Platz der Freiheit, der Brunnen Yanayacu, die Höhlen von Santa Lucía, die Orchiedeen-Baumschule von Santa Isabel, die Kirche Santa Ana und viel mehr für den Touristen interessante Stellen. Beeindruckend ist vor allem auch der Umzug beim Fest der Chachapoyas, «Raymillaqta» genannt.

Eine Stunde von Chachapoyas entfernt befindet sich Levanto, eines der ältesten Dörfer Perus, das nach La Jalca Hauptstadt des Landesteiles Amazonas war. Dieser Verwaltungssitz befindet sich jetzt in Chachapoyas. In Levanto finden wir Yálape, eine Ansiedlung aus der Zeit zwischen 1100 und 1300 n.Chr. Die Steine der Mauern sind durch Lehm verbunden.

Westlich von Chachapoyas dehnt sich das Tal Luya aus, wo wichtige archäologische Reste zu beobachten sind. Von dort kann man sich auf den Weg nach Karajía machen, um die menschenförmigen Sarkophage inmitten einer steilen Felswand zu bewundern. Man kann in 4 Stunden den Weg zu Fuß zurücklegen oder in 2 Stunden in geeigneten Geländewagen (so wie die Land Rover, mit denen wir unterwegs waren).

Eine unvergleichliche turistische Attraktion sind die 14 ökologischen Stufen, die die Stadt Chachapoyas umgeben. Außer archäologischen Kostbarkeiten finden wir auch guterhaltene Inkawege, Bewässerungskanäle und reichhaltige Pflanzen- und Tierwelt, die einem wissenschaftlichen Studium würdig ist.

Weiter gehts Richtung Pomacochas, wo wir dem See gegenüber im Hotel Puerto Pumas die Nacht verbringen möchten.

Leider kommen wir nicht an unser Ziel. Auf dem Wege sagte man uns schon: «der Berg kam nach unten» und die Straße nach Pomacochas war wirklich wegen eines Erdrutsches gesperrt. Es hatte warhaft stark geregnet und selbst nach Pedro Ruiz Gallo zu gelangen war ein Abenteuer. Kurz zuvor gab es auch hier einen Erdrutsch und nur die Land Rover mit denen wir unterwegs waren, waren fähig darüber hinweg zu fahren. Den anderen Autos blieb nichts übrig als abzuwarten... Auch den Wechsel eines überstrapazierten Reifens mussten wir noch durchstehen.

Claudia Dopf

Aus «Peru-Spiegel / Espejo del Perú», N° 52, Juli 2000, Seiten 11–15
Fotos: Claudia Dopf und Carlos González

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